EU Zukunftsprojekt


Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

unter der Projektträgerschaft des Marktes Kaufering sind fünf Gemeinden aus dem Land-kreis Landsberg Vorzeigebeispiele für den gesamten Alpenraum.

Die Europäische Gemeinschaft fördert im Zeitraum 2014-2020 über das INTERREG-Programm 6 Schwerpunktgebiete. Dabei ist der Alpenraum (Alpine Space Programme) einer davon. Mit dem Titel „Links4Soils - Lebenswerter Alpenraum“ sind wir als Praxispartner mit langjährigen Erfahrungen in der praktischen Umsetzung eingebunden. Unser Revierförster und Vordenker Ludwig Pertl ist Vertreter in der Arbeitsgruppe mit den Partnern aus Slowenien, Italien, Frankreich, Schweiz, Österreich und Deutschland.

Ziel ist es, das Wissen über Böden zusammenzuführen und damit erfolgreich ein nachhaltiges Ökosystem-Management einzuführen. Da das 2002 beschlossene Bodenschutzprotokoll der Alpenkonvention noch nicht umgesetzt wurde, ist es dringend notwendig, unsere Böden zu sichern und zu verbessern. Mit dem 2006 begonnenen Konzept „Nachhaltige Klimaanpassung mit den Kräften der Natur“ sind in den letzten 10 Jahren eine Fülle von Daten ermittelt worden (Forschung LWF, Projektwochen Hochschule Weihenstephan, Studentenarbeiten) und können in den nächsten 3 Jahren noch vervollständigt werden.

Da für jede Gemeinde unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden, ist unser Anpas-sungskonzept einmalig und kann auf unterschiedliche Bedürfnisse angewendet und übertragen werden. Im Markt Kaufering sind die Themen: Klimaschutz, Trink- und Hochwasserschutz wichtig, in Scheuring ist der Auwald, Trink- und Hochwasserschutz die Zielvorgabe, in Obermeitingen ist der Klimaschutzwald dringend notwendig, in Igling sind die Schotterböden und der Klimaschutzwald wichtig und im Fuchstal ist der Lechschotterboden mit dem einmaligen „lebendigen Waldbodenlehrpfad“ das ideale Praxisbeispiel. Für alle 5 Gemeinden gilt es, die nächsten 3 Jahre mit den fundierten Ergebnissen die notwendigen Entscheidungen zu fällen, um unseren wertvollen Lebensraum fit für die Zukunft zu machen.

Warum sind „lebendiger Boden“ und intakter Wasserkreislauf überlebenswichtig?

Das EU-Projekt “Links4Soils“ schafft die Basis für ein zukunftsfähiges Wirtschaftskonzept. Das erprobte Konzept aus unserer Region liefert dabei die Grundlagen für eine zukunftsfähige Anpassungsstrategie für den Alpenraum und für sonstige Lebensräume.

Mit dem Bau des Heizkraftwerks Kaufering im Jahr 2006 hat sich die Chance aufgetan, ein zukunftsfähiges Anpassungskonzept auf den Weg zu bringen. Die Hauptziele waren: die Versorgung mit Holzhackschnitzel des Werkes aus der Region (15 km Umkreis) absichern, den Trink- und Hochwasserschutz verbessern, „lebendige Böden“ wieder herstellen (Bodenmehrung und Verbesserung), mit konsequenter Jagd die Artenvielfalt erhöhen und die für die Gesundheit nicht ersetzbaren Ökosystemleistungen steigern.

Die Ergebnisse der Klimaschutzkonzepte vom Landkreis Landsberg (11,9 to CO2/Jahr/Einwohner) und Kaufering (5 to CO2/J/E) von 2013 zeigen eindrucksvoll, wie wirksam das Werk aus ökologischer Sicht arbeitet.

Die Ergebnisse der „Planetarischen Grenzen“ sprechen eine deutliche Sprache. Sowohl beim Klimawandel als auch beim Stickstoff und der Biodiversität haben wir die erlaubten Grenzen überschritten. Da bei uns die Temperaturen doppelt so schnell steigen wie weltweit, sind nicht nur die Treibhausgase (CO2, Methan, Lachgas) von hoher Bedeutung, sondern auch der Wasserkreislauf mit dem Wasserdampf braucht eine hohe Aufmerksamkeit (erbringt 66% der Klimaleistung).

Der Klimawandel mit höheren Temperaturen, mit mehr und längeren Heiß-Trockenphasen in der Vegetationszeit, bedeutet eine Änderung der „Spielregeln“ im Naturhaushalt. Waren früher die Temperatur unser begrenzender Wachstumsfaktor, so wird in Zukunft das „pflanzenverfügbare Wasser“ in der Vegetationsperiode der Minimumfaktor sein. Somit entscheidet die Bodenleistung, ob wir in Zukunft mehr produzieren und eine ausreichende Ökosystemleistung erhalten oder ob wir eine spürbare Verschlechterung wegen der fehlenden Anpassung verursacht haben.

Der voll funktionsfähige Boden mit seinem guten Humus ist daher unsere wichtigste Anpassungsmaßnahme. Dabei spielen der Regenwurm und seine Leistung eine herausragende Rolle. Er löst die Problembereiche: Versauerung, Stickstoff, Biodiversität, Luft- und Wasserspeicher. Daher müssen wir die Baumarten einbringen, die er bevorzugt und verarbeitet (z.B. Edellaubholz, sonstiges Laubholz). Da ein großer Teil der Baumarten auch für Insekten lebenswichtig ist, muss die Entwicklung zu Regenwurm- und Insektenliebenden Dauerwäldern führen. Gesunde Böden mit hoher Regenwurmdichte liefern den notwendigen Wasserspeicher und die benötigten Nährstoffe. Die Bodenmehrung und die notwendige Erhöhung seiner Leistung ist die beste Anpassungsstrategie für die Zukunft.

Neben dem „lebendigen Boden“, ohne dessen Leistung keine Biomasseproduktion denkbar ist, nimmt das Wasser die zweite wichtigste Stellung ein. Dabei ist nicht nur an den vom Meer kommenden Regen zu denken, sondern auch der über kurze, intakte Kreisläufe erzielbare Niederschlag, über die Verdunstung der Vegetation, ist  von höchster Relevanz. Dabei ist die Transpiration der Bäume und Wälder in der Vegetationsperiode entscheidend, denn seine kühl, feuchte Luft (23-25°C am Tag) generiert wieder Niederschlag in der Region.

Projektleiter Ludwig Pertls wichtigster Appell ist hier sehr wesentlich: „Daher benötigen wir gesamtheitliche Entscheidungen, die den langfristig höchsten Nutzen zum Ziel haben. Dabei muss Bodenmehrung und Bodenverbesserung mit intaktem Wasserkreislauf an erster Stelle stehen. Unsere aktuelle Realität, dass Derjenige am meisten Gewinn macht, der Boden, Klima und Gesundheit schädigt, muss baldigst zu Ende gehen. Die spannende Frage lautet: Wie können wir möglichst bald die notwendigen „fairen Rahmenbedingungen“ bekommen, um unseren Generationenvertrag einzuhalten und unseren Enkeln eine vergleichbare Lebensqualität zu hinterlassen? Ohne die notwendige Anpassung können die notwendigen Ökosystemleistungen nicht mehr erbracht werden. Und in sensiblen Regionen wie im Alpenraum (starke Erosionsgefährdung) wird dies zu einer dramatischen Verschlechterung der Lebensqualität führen.“

Vielen Dank an Dipl. Forstingenieur Ludwig Pertl, als Projektleiter der „Nachhaltigen Anpassung im Markt Kaufering“ und des EU-Projektes „Links4Soils“, für den unermüdlichen Einsatz bei der Umsetzung seiner Vision und bei der Unterstützung zu diesem Artikel. Wer sich mit diesen Fragestellungen wirklich auseinandersetzt, wird auch selber sehr schnell zu dem Ergebnis kommen, dass hier unverzügliches Handeln geboten ist. Besonders, wenn man bedenkt, dass der Umbau hin zu zukunftssicheren Wäldern nicht in wenigen Jahren erledigt sein wird, sondern Jahrzehnte dauert.
Hier ist ein echter Generationenvertrag dringend geboten, es geht immerhin um die Zukunft unserer Enkel und der zukünftigen Kauferinger Bürger.

Ihr
 
Erich Püttner
1. Bürgermeister

Link zum Alpine Space Programm:    bitte hier klicken


Webseite: www.alpine-space.eu/links4soils 
                      
Unterstützt von der Europäischen Union
 mit 1975880.94€

Ko-finanziert vom Europäischen Fonds
 für regionale Entwicklung durch das
 Interreg Alpine Space Programm


Links4Soils
Caring for Soils – Where Our Roots Grow



PROJEKTDAUER:

November 2016 – Oktober 201


PROJEKTPARTNER:

SI | Landwirtschaftliches Institut Slowenien – Projektleiter
AT | Amt der Tiroler Landesregierung
IT | Autonome Region Aostatal
IT | DISAFA, Universität Turin
SI | Forstamt Slowenien
DE | Marktgemeinde Kaufering
AT | Institut für Geographie, Universität Innsbruck
FR | IRSTEA, Nationales Forschungszentrum, Grenoble
AT | Klimabündnis Tirol
DE | LAND-PLAN, Büro für landschaftsökologische Gutachten und Planung
www.alpine-space.eu/links4soils


PROJEKTZIELE:

Gründung einer alpinen Boden-Partnerschaft
Eine Community soll geschaffen werden, die sich der besseren Umsetzung des Bodenschutz-Protokolls der Alpenkonvention annimmt. Dafür werden BodenexpertInnen, Stakeholder, regionale EntscheidungsträgerInnen, internationale (Non-Profit-)Organisationen und weitere Personen, die mit Bodeninformationen arbeiten, zusammen gebracht. So soll eine langfristige Partnerschaft entstehen, deren gemeinsames Ziel das effektive Bodenmanagement und der Bodenschutz im Alpenraum ist.

Verbesserung der Informationsquellen für alpines Bodenmanagement
Der Wissensstand rund um nachhaltiges Bodenmanagement in den Alpen soll verbessert werden. Dafür müssen die Lücken bei der Beschaffung von Boden- und Umweltinformationen geschlossen und eine funktionierende, länderübergreifende Datenaufarbeitung geschaffen werden. Die auf diese Weise generierten, alpinen Bodendaten werden AnwenderInnen und Interessierten über die Webplattform dauerhaft zugänglich gemacht.

Best-Practice-Beispiele für nachhaltiges Management von Boden und Ökosystemdienstleistungen
Der Erhalt von lebenden Böden in Forstwirtschaft, Raumplanung, Landwirtschaft und Wassermanagement ist das übergeordnete Ziel des Projekts. Dafür sollen Best-Practice-Beispiele im Rahmen von Fallstudien erarbeitet werden und daraus erfolgreiche Lösungen für den Bodenschutz in Gemeinden abgeleitet werden. Das Ergebnis sind konkrete Aktionspläne für Bodenschutz und Landnutzungsmanagement auf lokaler und regionaler Ebene.

Bewusstseinsbildung und die Weitergabe von Wissenhttp://www.alpinesoils.eu/
Im Rahmen des Projekts wird eine Webplattform rund um das Thema alpine Böden entstehen, die ein Informationsforum für EntscheidungsträgerInnen, AnwenderInnen und Interessierten sein soll. Umfassendes Know-how und Best Practice Beispiele werden abrufbar gemacht, um zu einem nachhaltigen Bodenmanagement in den Alpen beizutragen. Dies umfasst: Werkzeuge und Anleitungen, die die Integration von Ökosystemdienstleistungen  in die tägliche Bodenschutz-Arbeit und Raumplanung erleichtern sollen; aufbereitete Datensätze und praktische Instrumente zum Bodenmanagement; ein FAQ-Katalog für häufig gestellte Fragen und ein Beratungsservice für EntscheidungsträgerInnen. Neben der Informationsweitergabe und -aufbereitung ist das Ziel der Webplattform das stärkere Vernetzen von Stakeholdern, indem der Kontakt von zuständigen Behörden und BodenexpertInnen hergestellt wird.

Europäischer Fonds für regionale Entwicklung

Unterstützt von der Europäischen Union mit: € 1.975.880,94

Ausgewähltes Projekt für eine Ko-Finanzierung der Europäischen Union