Wald


Warum sind Bäume und Wälder wichtig für Kaufering?

Dezember 2015

Das zu Ende gehende Jahr 2015 – das „Jahr des Bodens“ – mit seinen Witterungsextremen, Sturm „Niklas“ Ende März und Hitzesommer mit wenig Niederschlägen, zeigt uns den Weg in eine veränderte Zukunft.

Seit 2006 stieg die Jahresdurchschnittstemperatur an der Wetterstation Landsberg um 1,3°C im Vergleich zur Messperiode 1961-1990 (Niederschlag: -6%). Bis 2050 kommen nach der Prognose des Potsdam Instituts noch einmal ca. 1,6°C dazu und der Niederschlag in der Vegetationsperiode soll um 10-20% sinken. Dies wird die Kraft und Stärke der Witterungsextreme noch spürbar verstärken. Da unsere Naturgesetze nicht verhandelbar sind, müssen wir dringend eine Anpassungsstrategie fahren, um bis 2050 und für unsere Enkel eine vergleichbare Lebensqualität in Kaufering und der Region zu sichern.

Unser Konzept „Nachhaltige Anpassung mit den Kräften der Natur“, welches heuer mit dem Biodiversitätspreis ausgezeichnet wurde, liefert dazu die Grundlage. Mit Hilfe von Bäumen/Wäldern und gesunden, lebendigen Böden kann Klimaschutz, Bodenverbesserung, Bodenmehrung und Gesundheitsschutz gesichert werden.

Dank unseres Biomassewerkes ist die Belastung mit 5 Tonnen CO2 weit unter dem Wert des Landkreises Landsberg mit 11,9 To CO2 und wir geben pro Einwohner um 2.500 € weniger für klimaschädliche fossile Energie aus.

Mit über 48.000 To CO2 ist die Belastung um über 40.000 To höher, als unsere Natur verkraftet!

In der aktuellen Arbeit „Betriebs- und Volkswirtschaftliche Analyse des Kommunalwaldbetriebes Kaufering“ der Hochschule Weihenstephan kommt Herr Dietmaier zu interessanten Ergebnissen:

  • So belegen Studien der EU, dass eine 10% Erhöhung von Grünflächen/Wald in der Stadt einhergeht mit einem Rückgang von Erkrankungen, die einer Steigerung um 5 Jahre Lebenserwartung entspricht (EUA 2012 = 1,23 Milliarden € für Kaufering).
  • Bei der „Immobilienpreismethode“ ergeben sich bis zu 20% höhere Preise, wenn die Bebauung im Anschluss an Grün- bzw. Waldflächen liegen (TEEB Studie 2012).

Daher lohnt es sich, unseren Wald alle 5 Jahre zu pflegen und umzubauen, damit er mit den Witterungsextremen zurechtkommt (Wind, Nassschnee, Starkniederschlag). Dasselbe gilt für unsere Bäume, die durch hohe Stoffeinträge und Witterungsextreme zunehmend unter Stress kommen. Steigende Risiken (z.B. Pilze, Stürme, Wassermangel) gefährden ihre Leistungsfähigkeit.
Wir müssen bereits heute die Schäden durch Eschentriebsterben, Pilzerkrankungen an alten Linden (Kapelle am Riedweg), Borkenkäferbefall, Windwurf etc. einen hohen Aufwand für Verkehrssicherung und Schutz der Bevölkerung in Kaufering betreiben.

(Vorher: Linden vor der Feldkapelle am Riedweg)       (Nachher: Linden wurden am 17.11.2015
                                                                                         wegen Pilzerkrankung gefällt)

Die Blätter unserer Bäume, die im Herbst reichlich herabfallen, sind kein Abfall, sondern die notwendige Nahrung für gesunde Böden. Bei Bäumen und Wald gilt die Botschaft, dass sie für uns und unsere Kinder umso wichtiger und leistungsfähiger werden, je älter und höher sie werden. Wir sollten daher unsere betriebswirtschaftliche Betrachtung ändern und nicht schauen, wer den Baum am billigsten beseitigt, sondern wie ich seine Leistung am besten erhalten und steigern kann.

Eine für unsere Natur tragbare Belastung kann auch in Kaufering/Landsberg nur funktionieren, wenn alle Einwohner, Grundeigentümer, Wirtschaft mitmachen und die unbequemen Entscheidungen treffen, die langfristig den größten Nutzen entfalten.
Unser derzeitiges Wirtschaftsmodell, welches Klima-, Boden- und Gesundheitsschäden nicht berechnet, missachtet die Bedürfnisse unsere nächsten Generationen und verschlechtert deren Lebensqualität.

Die einfachste Lösung wäre es, wenn jeder Bürger, bzw. Verursacher die 80 € pro Tonne CO2/Methan, Stickstoff bezahlen würde, die er verursacht und wir dieses Geld für die notwendige Anpassung nutzen könnten.
Damit wäre sauberes Trinkwasser, natürlicher Hochwasserschutz, Bodenmehrung und Bodenverbesserung sowie hohe Gesundheitsleistung (Feinstaubfilter + Klimapuffer + Lärmminderung) rentabel umsetzbar, und nachhaltiges Produzieren wäre endlich konkurrenzfähig gegenüber Klima-, Boden- und gesundheitsschädigender Wirtschaftsweise.


Ludwig Pertl
Forstamtsrat
Forstdienststelle Kaufering