Bürgermeister


Zukunft Biene - die Bienen brauchen uns

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

Bienen und andere Insekten spielen bei rund 35 Prozent der weltweiten Lebensmittelproduktion eine wichtige Rolle. Bienen sind somit ein gigantischer Wirtschaftsfaktor und die wichtigsten Arbeitskräfte in der Landwirtschaft. Weltweit sorgen sie mit ihrer Bestäubungsleistung für eine Wertschöpfung von etwa 200 Milliarden Euro pro Jahr, dies hat das Labor für theoretische und angewandte Wirtschaft des wissenschaftlichen Forschungszentrums CNRS in Montpellier ermittelt.

Ohne Bienen gäbe es nicht nur keinen Honig, auch Obst und Gemüse würden zu Luxusgütern – die Tiere bestäuben rund 80 Prozent unserer Nutz- und Wildpflanzen. Wenn es nicht gelingt, die Bienenbestände zu halten, und die Insekten aussterben, hätte dies nach Ansicht von Forschern fatale Folgen für den Menschen und das  ökologische Gleichgewicht.

Seit Jahren beobachten Forscher das weltweite Bienensterben mit wachsender Unruhe. Die genauen Ursachen sind unbekannt, als Gründe gelten aber unter anderem der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft, eintönige Landschaften, fehlende Nahrungsquellen, der Verlust des natürlichen Lebensraums der Tiere und Parasiten wie die Varroamilbe. Weltweit sterben Jahr für Jahr ganze Stämme der schwarz-gelben Insekten und die Abstände zwischen den Jahren mit hohen Verlustraten werden immer kürzer. Experten warnen bereits, dass einzelne Bienenarten schon in zehn Jahren ausgestorben sein könnten. Allein in Deutschland ist nach Angaben des Deutschen Imkerbundes die Zahl der Bienenvölker seit 1952 von 2,5 Millionen auf heute weniger als eine Million zurückgegangen.

Deshalb haben wir uns auch im Markt Kaufering schon seit einigen Jahren dazu entschlossen, große Bereiche unserer Grünflächen als „Blühflächen“ zu bewirtschaften und dort nur 1-2 mal jährlich zu mähen. Von den örtlichen Imkern wurde diese Entwicklung sehr positiv bewertet. Von machen Mitbürgern wird dies aber nicht so positiv gesehen, da doch eine gewisse Denkweise von „Ordnung und Sauberkeit“ in der freien Natur besteht. Aber der Entschluss, öffentliche Grünflächen,  Rand- oder Teilbereiche aus einer intensive Pflege heraus zu nehmen, hat sich bewährt.

Diese  kommunalen Flächen können damit nicht nur für gestresste Menschen Erholung bieten, auch für seltene Pflanzen- und Tierarten sind sie wichtige Lebensräume. 54% der Wildbienen, 60% der Tagfalter, viele Heuschrecken, Käfer und andere Arten in Bayern sind vom Aussterben bedroht und benötigen dringend mehr und bessere Rückzugsgebiete.

Aber es gibt noch mehr Grün in den Kommunen: Auch das sogenannte Begleitgrün entlang der Gemeinde- und Kreisstraßen kann durch angepasste Pflege wertvollen Lebensraum bieten. Straßenböschungen sind nicht nur Abstandsflächen zwischen dem Verkehr und angrenzenden Nutzungen. Über viele Wochen im Jahr sind es auch Flächen, auf denen es bunt blüht und auf denen viele Insekten fliegen. Und sie tragen zur Vernetzung von Blühflächen in der Landschaft bei.

Im 21. Jahrhundert hat die Menschheit zwei schwierige Aufgaben zu lösen: Die Natur mit all ihren Formen und Funktionen zu bewahren und für eine gerechte Ressourcenverteilung zu sorgen.

Dabei ist der Blick auf eine biologische Vielfalt zu richten, die für unzählige Leistungen der Natur verantwortlich ist.  Die Fähigkeit von Ökosystemen, einen nachhaltigen Fluss an Ökosystemleistungen aufrecht zu erhalten, hängt hochgradig vom Ausmaß derer biologischer Vielfalt ab.

Die Bedeutung der Naturleistungen für den Menschen tritt in vielen Bereichen zutage. Beispiele für Ökosystemleistungen, die einen großen Beitrag zur Wohlfahrt der Menschen leisten, sind die Regulation des Wasserhaushalts und der Trinkwasserversorgung, die Klimaregulation (Kühl- und Klimafunktion eines Waldes etc.), der Schutz vor natürlichen Extremereignissen (Hochwässer, Lawinen, Hangrutschungen), die Bodenbildung, die Bestäubung von Blütenpflanzen, ein natürliche Schädlingskontrolle. Dies sind nur einige Gründe – die Liste kann sicherlich weiter fortgeführt werden.

Auch das europäische Forschungsprojekt für gesunde Böden im Alpenraum, bei dem der Markt Kaufering als Praxispartner (wir haben darüber berichtet) beteiligt ist, leistet hier einen wichtigen Beitrag.

Herzlicher Gruß
Ihr
 
Erich Püttner
1. Bürgermeister